Ich selbst habe unmittelbar keinen Anlaß, den HRE-Vorständen oder ihren Wirtschaftsprüfern von KPMG (was, schon wieder die ???) angesichts des sich abzeichnenden Debakels juristisch auf den Zahn fühlen zu lassen, aber vielleicht gibt es ja unter den Lesern HRE-Aktionäre (mein Beileid!) die angesichts der spontanen Sublimation ihres Investments mal prophylaktisch den Rechtsanwalt kontaktieren wollen.
Diesem würde ich insbesondere die Seite 33 des letzten Quartalsberichts der Hypo Real Estate zur eingehenden Lektüre empfehlen, die den “Risikobericht” zum Thema “Liquidität” enthält. Der Risikobericht ist integraler Bestandteil des “Lageberichts” und damit des Jahres- bzw. Quartalsabschlusses, und der Vorstand der einen solchen Abschluß erstellt, sowie der Wirtschaftsprüfer, der ihn testiert, haften für die darin gemachten Aussagen. Persönlich, wohlgemerkt.
Und in diesem Risikobericht heisst es:

Aufgabe des Risikoberichts nach IFRS (ebenso HGB) ist es, über alle substanziellen Risiken, denen ein Unternehmen ausgesetzt ist, zu informieren, und darüberhinaus auch über die Art und Weise, wie seitens des Managements diesen Risiken begegnet wird. Wenn der HRE-Vorstand in seinen Risikobericht also reinschreibt, dass er selbst für den “worst case” adequate Vorkehrungen getroffen hat (was ich persönlich für sehr mutig bzw. leichtfertig halte), dann kann der Anleger auf Grund dieser Aussage davon ausgehen, dass dem bei vernünftiger Betrachtungsweise auch in einem “worst case” tatsächlich so ist.
Dabei sind logischerweise alle Arten von Krieg, Terroranschlägen oder gar der sprichwörtliche Komet aussen vor. Aber nicht eine allgemeine Kreditkrise, so schwer sie auch immer sein mag. Zumal dann nicht, wenn der Vorstand ein derartiges Statement am 12. August 2008 abgibt, also bereits auf dem Höhepunkt der Krise, und sich somit kaum damit herausreden kann, “er hätte es nicht besser wissen können”. Seine “Safe Harbor-Provision” am Ende des Berichts nutzt ihm da meiner Meinung nach überhaupt nichts.

Wenn die kurzfristige Liquiditätssteuerung mit 90 Tagen Vorlauf arbeitet, dann stellt sich mir die Frage, ab wann es absehbar war, dass die aktuelle Liquiditätslücke bestehen würde. Geldmarkt und Commercial paper-Fazilitäten sind ja nicht erst seit gestern defacto dicht, ergo müßte es eigentlich schon viel früher klargewesen sein, dass da finanzierungsseitig Ungemach im Anrollen ist.
Auch die erneute Aussage des Vorstands, wonach auch bei Vorliegen einer “Marktstörung” ausreichend Liquiditätsspielraum vorhanden wäre, ist meiner Ansicht nach absolut problematisch: eine solche Störung liegt zwar zweifellos vor, aber die HRE knickt dabei um wie der sprichwörtliche Grashalm im Wind. Von wegen “ausreichend Liquidität” vorhanden … Jeder Anleger, der sich davon in Sicherheit wiegen ließ, sollte meiner Meinung nach klagen.
Was die fristenkongruente Finanzierung anbelangt, so deuten die bisherigen Zeitungsmeldungen jedenfalls daraufhin, dass diese eben gerade nicht vorlag, sondern dass typischerweise “aus kurz mach lang” betrieben wurde. Das widerspricht aber dem obigen Passus auf eklatante Weise.

Und auch hier wiederum wird schließlich der Eindruck erweckt, als ob die Finanzierung der HRE in jedem Fall gesichert sei, auch und insbesondere trotz Kreditkrise. Ein Anleger, der diesen Bericht liest, kann davon ausgehen, dass die Finanzierungsinstrumente der HRE, angesichts der obigen Aussagen, absolut “sturmfest” sind. Das wird ihm in diesem Risikobericht mehrfach vom Vorstand versichert und von KPMG als Wirtschaftsprüfer uneingeschränkt testiert.
Hätte der Vorstand in seinen Bericht stattdessen reingeschrieben “Bis zu einem gewissen Punkt können wir uns problemlos refinanzieren, aber wenn der Kreditmarkt völlig dichtmacht, dann heisst es auch für uns Sayonara!”, dann gäbe es keinerlei Ansatzpunkte für auch noch so klagefreudige Aktionäre. Hat er aber nicht. Er hat da reingeschrieben: “Wir sind liquide, komme, was da wolle!”. Und da er eine derartige Versicherung bereits inmitten der Krise abgegeben hat, wiegt ihre Schwere meines Erachtens doppelt und dreifach. Wenn der Vorstand um die Klemmen im Kreditmarkt weiss, dann ist es absolut unverständlich, warum er den Aktionären vorgaukelt, ausgerechnet für sein Unternehmen würden die Gesetze der Schwerkraft nicht gelten, und es wäre auch für den “worst case” gewappnet. War es mitnichten, wie sich kurze Zeit später herausstellte.
Damit sollten geschädigte Anleger auch vor deutschen Gerichten meines Erachtens (aber ich bin kein Jurist) gute Chancen haben. Hätte ich mit HRE Geld verloren, ich würde bereits bei meinem Anwalt sitzen und ihm die obigen Aussagen des HRE-Vorstands unter die Nase halten …















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Kleiner Geck am Rande:
“Manuela Better *
(Chief Risk Officer)
* ab 01.10.2008″
http://www.depfa.com/de/about/150.html
Nun, das wurde aber auch Zeit eine solche Position zu besetzen …
Greif mal nen nackten Mann in die Tasche ….siehste …eben..
@Oswald Spengler
Die Vorstände selber haben ja genügend Geld, davon kannst du mal ausgehen. Und die haften, nicht die Gesellschaft.
> wgn
So könnte es sein, wenn es ausgerurteilt wird. Beachte aber, Juristen beider Seiten sind clever. Vielleicht hat sich der Vorstand ja vorher eine gutachterliche Blankobescheinigung geholt, dann ist er schon aus dem Schneider. Normalerweise sind sie schlau genug, sich beispielsweise über die KPMG abzusichern.
Haftung mit dem Privatvermögen, wäre schon mal ganz nett. Allerdings muss man sehr schnell sein. Wer zuerst kommt … . Ganz soviel Provisionen und Gehalt haben die dann doch nicht verdient. Dein Beitrag wird vielleicht den einen oder anderen potenten Anleger zu Klage anregen. Wär schon gut.
[PDF]
Was kommt nach dem Büro?
Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat – HTML-Version
Manuela Better. Vorstand. Hypo Real Estate Bank AG.
Ach ja google immer für einen Karlauer zu haben…
Die Vorstände sind versichert. Ist ja ein sehr lukratives Geschäftsfeld der AIG (gewesen).
Übrigens sollten sich Kommunen und Gemeinden mal Gedanken machen, was jetzt aus ihren Lease-and-Lease-Back (CBL Deals) wird.
Angeblich soll keiner der Stadtkämmerer die Monsterverträge verstanden haben, die sie seinerzeit in den USA unterschrieben haben.
@Kramer
Keine (Haftpflicht-)Versicherung zahlt bei Vorsatz und nichts anderes war das was die Vorstände da getan haben!
KPMG – Keiner Prüft Mehr Genau
@Starship Trooper:
Die HRE leistet sich schon lange einen Chief Risk Officer, sogar eine mit dem Namen “Bettina von Österreich”. Bettina bringt über ihren Namen nicht nur adliges und mondänes Flair in die Münchner Provinz, sondern nach ihrem Lebenslauf zu urteilen auch eine durch und durch konventionelle Bankerkarriere.
Richtig ist, dass dem Vorstand und der CRO vorzuhalten ist, das man offenbar unreflektiert die üblichen Instrumente zur Risikoabschätzung genutzt hat, dies sich derzeit in weiter Breite als unzulänglich erweisen, das sie nur eine viel zu kurze Vergangenheit in die Zukunft fortschreiben.
Diesmal ist aber alles anders, nur nicht so, wie es letztes mal anders war, als alles anders war.
New Economy. Aber nicht so, wie die alte “New Economy”
Ein schwarzer Schwan.
Die Vorstände haften…ok sue them till they poke blood
Alter Schwede – schaut sich mal bitte jemand den Chart des Dow’s an…? Boooooahhhh…
Hallo wgn,
Du sagst:
“Ich selbst habe unmittelbar keinen Anlaß, den HRE-Vorständen oder ihren Wirtschaftsprüfern von KPMG (was, schon wieder die ???) angesichts des sich abzeichnenden Debakels juristisch auf den Zahn fühlen zu lassen, aber vielleicht gibt es ja unter den Lesern HRE-Aktionäre”
Kein Anlass?
Du bist vielleicht nicht Aktionaer, Steuerzahler demgegenueber aber durchaus!
“Sozialisierte Verluste” (mein Praedikat: Unwort-Kombination des Jahres) bedeutet Du zahlst die Zeche, egal ob Aktionaer oder nicht!
Also geht Dein wieder mal sehr herausragender Text jeden an der in Deutschland Steuern zahlt.
Da ja nun der US-Bailout vorerst gescheitert ist, frage ich mich, ob man jetzt sein Geld überhaupt noch den Banken anvertrauen kann. Buiter schreibt in seinem letzten Blogbeitrag auch: “PS My remaining financial wealth is now kept in a (small) old sock in an undisclosed location.”
http://blogs.ft.com/maverecon/2008/09/those-whom-the-gods-would-destroy-they-first-make-mad/
Ich weiß, Gold und so, aber was macht man als Unbedarfter? Nen Konto bei der Sparkasse öffnen?
Hallo wgn:
In der Tat sehr interessanter Blogbeitrag
Zufällig hatte ich Anfang des Jahres für 200’000 Euro HRE-Aktien gekauft, die ich vor ca. 3 Monaten nicht wie eigentlich geplant mit einem leichten Gewinn wieder verkauft habe.
Ich habe mit Verweis auf Ihren Blog gerade meinen Anwalt aus einer renommierten Wirtschaftskanzlei angeschrieben mit der Bitte um eine ganz grobe Einschätzung, also ob es sich lohnt, Geld in eine Klage zu investieren.
Ich werde das Resultat hier berichten.
Keiner Prüft Mehr Genau
Die HRE lädt ihre Aktionäre zur HV am 5. 10.2009 ein.Einziger Tagespunkt ist die Eliminierung von unerwünschten Aktionären.Wer will zu dieser eigenen Exekution gehen ?
Bei einer Insolvenz hätten zwar die Rundfunkanstalten,die dort ihre hohen Gebühreneinnahmen gebunkert haben,Verluste erlitten,aber der Steuerzahler wäre nicht geschädigt worden.Die HRE darf aber nicht aufgelöst werden,da sonst keine Parteispenden an die Politiker fließen von dort. Die Minderheitsaktionäre dürfen aber nicht zusätzlich durch die Eliminierung geschädigt werden,damit nur der Großaktionär von den Steuergeldern Vorteile erhält.
Recht und Recht bekommen
Das ist ja eine sehr schöne knappe Zusammenfassung von Weissgarnix, allein die Aussichten auf gerichtlichen Erfolg sind wesentlich bescheidener als dargestellt.
Auch wenn sich etliche Anwaltskanzleien in ihren positiven Prognosen gegenseitig übertreffen, um Geschädigte als Mandanten zu gewinnen, so sind die bisherigen Verhandlungen vor Gerichten durchaus differenzierter zu sehen. Auch wenn das LG München einem Geschädigten bereits Schadensersatz zugesprochen hat, so ist dieses Urteil noch nicht rechtskräftig und eben auf den Einzelfall beschränkt.
In weiteren laufenden Verfahren werden die Erfolgsaussichten von den Gerichten deutlich weniger euphorisch beurteilt. Nur unter ganz engen Voraussetzungen sieht etwas das LG München gewiusse Aussichten, auf einen Teil des Schadens – die Rede ist von 10 bis 50 Prozent – Schadenersatz zugesprochen zu bekommen.
Ja, auch ich habe – bei einem Schaden von 200.000 EUR – auf Schadensersatz geklagt. Die Aussichten sehe ich realistisch: Nachdem die Rechtsschutzversicherung zumindest die erste Instanz bezahlt, wäre jeder einzelne Euro an Schadensersatz ein Gewinn. Und 50 Prozent würde ich als sensationell feiern…
Freilich, (moralisch) Recht zu haben und dann vor Gericht auch Recht zu bekommen, sind immer noch zweierlei. Zudem: Keine der in die Skandale in den Verkauf von Lehmann-Zertifikaten verstrickten Banken akzeptiert ein erstinstanzliches Urteil, schon aus Konsequenzgründen. Die jetzt dem Bund gehörende HRE wird es nicht anders halten.
Jeder Kläger trägt daher dsas Prozesskostenrisiko bis in die höchste Instanz. Das schreckt genügend Leute ab. Und dann setzen die Banken auch noch auf die biologischeLösung. Viele der Geschädigten sind alt. Ob sie einen – eventuellen – Sieg überhaupt noch erleben, steht in den Sternen.
Durchaus deprimierend für einen, der die Marktwirtschaft befürwortet, der Banken für deren Funktionieren für notwendig hält, der auch weiß, dass höheren Gewinnerwartungen ein höheres Risiko gegenüber steht, die Erkenntnis, dass Bert Brecht so falsch nicht lag: “Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank….” (Dreigroschenoper).
Dass die Gewinne privatisiert, die Verluste aber sozialisiert werden, treibt auch einen, der selbst im oberen Management einer international erfolgreichen Company tätig war, auf die Barrikaden. Es ist schlicht unanständig, dass die verantwortlichen Top-Manager nicht nur nicht zur Verantwortung gezogen werden, sondern auch noch ihre Boni behalten und gegen ihren Rauswurf – wie HRE-Chef Funke – klagen.
Beste Grüße
FP