Der US Ökonom Brad Setser bringt unter dem Titel “Psst, nicht weitersagen … Das US Handelsdefizit wird schlimmer, nicht besser!” ein paar sehr interessante Charts zum jüngsten US Handelsdefizit. So wie es aussieht, werde ich wohl meine Ansage von wegen “Dollar kaufen!” kassieren müssen, zumindest für die nächsten paar Monate.
Zunächst mal das Offensichtliche: das rein durch die Ölimporte und den hohen Ölpreis bedingte Defizit ist rasant angestiegen und mittlerweile größer, als das Defizit mit Nicht-Öl-Produkten und Dienstleistungen. Die USA kriegen den deutlich gestiegenen Ölpreis also heftigst zu spüren, dabei betrug im betrachteten Zeitraum der Durchschnittspreis lediglich 97 Dollar/Barrel. Für das kommende Defizit sind daher, angesichts eines Durchschnittspreises, der dann wohl eher bei 110 Dollar liegen dürfte, weitere bad news vorprogrammiert. Zur Erinnerung: wie sich unterschiedliche Ölpreisniveaus auf die Handelsbilanzen einzelner Ölimporteure und -exporteure auswirken, habe ich schon mal hier dargestellt.
Die leichte Verbesserung, die sich im Nicht-Öl-Defizit jüngst abzeichnet, ist dabei wieder ein wenig am Abflauen, und wird für sich genommen eine Ausweitung des Öldefizits ziemlich sicher nicht kompensieren können. Sedser wagt daher die (nicht schwierige) Prognose, dass das US Handelsdefizit darob auch in 2008 wieder steigen und nicht sinken wird. Interessanter hingegen schon seine Ansicht, dass die Ausweitung des Defizits ziemlich sicher nicht von privaten Investoren über deren Erwerb von US Assets finanziert wird, sondern praktisch ausschliesslich von den Zentralbanken der wichtigsten US Importländer, i.e. China und die Ölstaaten im Mittleren Osten.
Die good news liegen in dem seit einiger Zeit beobachteten stärkeren Wachstum der Exporte relativ zu den Nicht-Öl-Importen. Und wie der nächste Chart zeigt, geht das stärkere Exportwachstum ziemlich genau einher mit dem realen Verfall des Dollars:
Dass es um den US Konsumenten tatsächlich nicht zum Besten bestellt sein kann, läßt sich auch an den bereits negativen Wachstumsraten des Imports von Gütern feststellen:
Zuguterletzt sei festgehalten, dass sich dem mengenmäßigen Verbrauch nach die Amerikaner auch zunehmend bei Öl bescheiden, denn real gehen sowohl das Defizit bei Nicht-Öl-Gütern als auch bei Öl zurück. Allerdings bislang nicht stark genug, um den negativen Effekt des gestiegenen Ölpreises zu kompensieren. Und wie oben schon mal geschrieben, das bezog sich bislang auf einen Durchschnittspreis von lediglich 97 Dollar pro Barrel, der zwischenzeitlich verzeichnete Preisanstieg auf rund 135 Dollar also noch gar nicht berücksichtigt. Durch den niedrigen Dollar kämpfen die Amerikaner also, wie es bei ihnen so schön heisst, eine “uphill battle”.




















{ 18 comments… read them below or add one }
Das sich das Defizit der USA durch einen fallenden Dollar verringern soll, ist auch sehr merkwürdig. Wenn die Wirtschaft zu 70% aus inländischem Konsum besteht und dieser wiederum fast ausschließlich auf Importen beruht, wie soll dann ein fallender Dollar irgendeinen positiven Aspekt für das Handelsdefizit aufweisen? Die USA haben von der Güterseite kaum wettbewerbsfähige Produkte. Diese waren maßgeblich im Dienstleistungssektor angesiedelt und dort auch maßgeblich in der Finanzwelt. Wie es dort steht, wissen wir ja.
Weiterer ungemütliche Teil: die bisher das Defizit finanzierenden Staaten wollen eigentlich keinen Dollar mehr (zumindest in diesem Umfang) und fangen an, maßgeblich zu diversifizieren. Das ist auch daran zu erkennen, dass die Kapitalzuflüssen in die USA seit Anfang des Jahres abnehmen. Das Defizit wird also zunehmend schwieriger zu finanzieren.
Schöne Aussichten für den Dollar.
Yep, immer und immer wieder führt es mich zu dieser einen Frage: Was machen die Amis mit dem Öl im Irak?
Da haben die die größte Streitmacht ever, seit 1991 absolute power….und da haben die einen großen Teil des US-Budget in dieses kleinen Überfall investiert….über Jahre….und jetzt? Jetzt zahlt der Ami 100% mehr für benzin, die US-Autoindustrie geht in die Horizontale und demnächst folgen die Fluggesellschaften…vom amerikanischen Konsum ganz zu schweigen. Yep, und the president dreht Daumen.
Also, falls da draußen ein Experte ist, bitte, bitte, sag mir…wo ist es geblieben, das Irak-Öl? In der Erde? bei Bushs skull-and-bones Freunden? Aber, bitte, bitte antworte nicht mit: Oil-Peak;-)
“When a country has five percent of the world’s population but spends fifty percent of the world’s military spending, that country’s persuasive power is in decline. ”
Prince Nasir (syriana)
@goodnight
Als Antwort auf deine Fragen zu den US Problemen mit dem Öl, kann ich dir ausnahmsweise auch mal ein hübsches Filmzitat anbieten, aus “Forrest Gump”: Shit Happens!
@goodnight
Ich verstehe die Frage nicht: “wo ist es geblieben, das Öl?” Es wird im Irak wohl gefördert, dann verkauft und raffiniert und schließlich dem Weltölmarkt zugeführt , was sonst? Der Irak produziert etwa 2,1 Mio barrel/Tag, die USA verbrauchen etwa 20 ,5 Mio. Die USA selbst produzieren ca. 7,7 Mio barrel/Tag also fast das 4 – fache vom Irak. Der Einfluss des Irak-Öl, wer immer da jetzt auch seine Griffel drauf hat, auf den Ölpreis ist also begrenzt. Ist diese Antwort erlaubt, goodnight? “Oil-Peak” durfte ja nicht…
“Es reibt sich mit der Lotion ein, wann immer man es ihm sagt!” ( Jame Gumb, Das Schweigen der Lämmer)
Was die Amis mit dem Öl machen? Gar nix. Den Zugriff auf die Quellen haben sie nämlich gar nicht. Viele Rechte liegen noch bei den Russen und Frankreich. Das hat sich auch nach dem Krieg nicht geändert, wenn wohl auch Dummi Rumsfeld darauf spekuliert haben sollte. In Basra (Hauptumschlagspunkt) ist die Kontrolle eh bei lokalen Kriegsfürsten und somit auch nicht im Zugriff der USA. Neue Investitionen? Fehlanzeige. Fliegt ja einem alles in paar Monaten um die Ohren.
.
Das kleine Kalkül von Rumsfeld, Cheney und Konsorten ist nicht aufgegangen. Mit möglichste wenigst Aufwand rein (und dabei alle Sorgen der Militärs bei Seite wischen) und schnell Zugriff auf gewaltige und zum Teil noch unerschlossene Ölquellen erhalten = maximaler Gewinn. Das es hierfür noch ein, zwei Randbedingungen einzuhalten gibt oder von Anfang an nicht gegeben waren, wen kümmerts. Immer diese blöden Europäer, die sowas einfach nicht verstehen wollen
Was die Amis wohin importieren, mit welchen Waren sie Exportüberschüsse erzielen (v.a. Flugzeuge), mit welchen Ländern sie Handelbilanzüberschüsse haben (z.B. Belgien, Australien und Hong Kong) kann man hier nachlesen:
http://www.bea.gov/newsreleases/international/trade/2008/pdf/trad0408.pdf
So lange der Dollar von den Saudis nicht umgetauscht sondern angelegt wird, ist ein hoher Ölpreis eher eine Stütze für den Greenback, da man Dollar braucht, um Öl zu kaufen.
@Nixda
Die Zentralbanken halten die Dollarguthaben ja nicht in Dollar, sondern in Form von Treasury bonds, die sie mithilfe ihrer Dollars bezahlen. Die für das Öl verwendeten Dollars zirkulieren also sehr wohl irgendwo, außer die Zentralbanken kaufen die Treasuries von der FED. Was aber meines Wissens nicht der Fall ist.
Das galt bisher. Übrigens wurde spekuliert, dass die USA den Irak eigentlich deswegen angegriffen haben, weil Saddam das Öl zukünftig in € abrechnen wollte. Der Angriff sollte eine Warnung an alle anderen Staaten der Region sein. Nach dem aktuellen Desaster hat sich das Drohpotential aber deutlich vermindert. Der Iran will schon in Euro abrechnen und einige andere Staaten wollen auch zumindest eine teilweise Abrechnung mit Euro ermöglichen. Man ahnt, wohin die Reise hingeht.
@goodnight: Der größte einzelne Ölverbraucher der Welt ist – wen überrascht es – die US Army. Mit 144 Millionen Barrels pro Jahr verbruachen die US-Streitkräfte etwa so viel wie ganz Griechenland.
@Wgn: Das ist der Punkt: Die Dollar wird nicht in eine andere Währung zurückgetauscht, sondern es werden zB Treasuries gekauft, um das amerikanische Haushaltsdefizit zu finanzieren. So wandern die Dollars selber wieder in die Hände der amerikanischen Administration.
Natürlich sind diese Treasuries jetzt in ausländischer Hand, und müssen verzinst werden, aber die Dollar selber werden nicht in andere Währungen zurückgetauscht.
Die Sachlage wäre anders, wenn sich die Saudis entscheiden würden, die Dollars in Euro zu tauschen, um Bundesanleihen zu kaufen, dann würde das Spielchen für den Dollar schlecht.
@ Nixda:
weils so schön ist, noch eine Zahl zum Öl:
was wir weltweit so an Erdöl in einem Jahr in die Luft blasen, dafür musste die Grossmutter Erde ganz schön lange stricken – eine Million Jahre Urzeitfloraproduktion brauchte es, um die Jahresverbrauchsmenge Erdöl zu fabrizieren.
Hört sich schon unmässig an, aber anbdererseits denke ich mir: hätte man das Zeug etwa in der Erde belassen sollen, wo sich doch viele schöne Dinge damit machen lassen?
Was ist aber, wenn diese ganze Geschichte gar nicht stimmt und es sich um ein Märchen handelt? Ja, was wäre wenn der fossile Brennstoff Öl gar nicht fossil ist, nicht von abgestorbenen Meereslebewesen stammt, sondern ganz anders entsteht? Was wäre wenn es überhaupt nicht zu Ende gehen kann? Was wäre wenn wir tatsächlich in Öl schwimmen und es unbegrenzt vorhanden ist und kontinuirlich laufend neue entsteht? Wenn es deshalb gar keine Energiekrise geben kann und es gar kein Peak-Oil gibt, sondern uns dieses Märchen nur erzählt wird, damit wir glauben sollen es ist rar und deshalb teuer, und wir den immer höheren Preis für Öl bereitwillig schlucken. Ja, was wäre wenn uns eine gigantischen Lüge über das Öl aufgetischt wird?
Die Behauptung, es gebe ein Erdölfördermaximum, wurde bereits im Jahre 1919 mit Panik verbreitet, nur damals hiess es noch nicht „Peak-Oil“, das ist ein neumodischer Propaganda-Begriff. Es wurde damals schon von „Experten“ gesagt, das Öl reiche nur noch für 20 Jahre. Was passierte aber wirklich? Jedes Jahr wurde seitdem das Ende des Öl immer wieder in die Zukunft verschoben, und heute, 90 Jahre später haben wir immer noch Öl, obwohl die Förderung und der Verbrauch jedes Jahr gestiegen ist.
Wir müssten ja schon lange auf dem Trockenen sitzen, wenn es nach den Ölexperten geht.
Was, wenn der Irak wegen Öl überfallen, wurde, nicht um das Öl sich zu holen, im Gegenteil, sondern um zu verhindern, das zu viel Öl auf den Markt kommt und damit die Preise fallen. Vor dem Krieg förderte der Irak 6 Millionen Fass pro Tag, jetzt knapp 2 Millionen. Die Differenz ist vom Markt genommen worden. Saddam Hussein hatte nämlich gedroht, maximale Ölmengen zu fördern, den Markt zu überfluten und das Öl nur noch gegen Euros zu verkaufen…
Auszug aus “Schall und Rauch”
Yep, Quadrillion….12 Points


Danke auch an alle anderen … aber ich liebe einfach Verschwörungstheorien
Also ca. 115 – 250 Mrd. Barrel sollen ja in bzw. unter der Irak-Wüste liegen….und wenn die Amis wirklich wollten, dann würde das Zeug ganz schnell die Sonne sehen…something is rotten in the state of irak
Da ist kein Peak-Oil weit und breit….yep, jetzt gehe ich all in;-)
“What do all men with power want? More power. ”
oracle (matrix reloaded)
@goodnight
Ich wußte schon beim Lesen der ersten 3 Zeilen, dass dir Quadrillions Geschichte gefallen würde. Wird wohl eine Freundschaft fürs Leben ? …
@ goodnight & quadrillion : liebe eigentlich auch verschwörungstheorien, weil viele oft wesentlich realer sind, als der mainstream-schwachsinn einem weiss machen will, aber wenn soviel öl vorhanden ist, wie erklärt ihr euch den fördereinbruch des 3. größten ölfeldes der welt, cantarell ? gerade in derzeit, in der die mexikanische regierung die einnahmen bestens gebrauchen könnte, bricht die förderung um mehr als 30 % ein ! hier ein paar nette infos zu “peak-oil” :
http://wirtschaft-querschuss.blogspot.com/2008/05/neues-frdermengentief-in-mexiko.html
@ weissgarnix : schön, dass dein “dollar kaufen” passee´compose´ ist
, aber ich bleib mal dabei, wie auch schon im herdentrieb, deine prognose für einen stark fallenden ölpreis kannst du bald auch revidieren
lg samuiman
@samuiman
Ich habe keine Prognose für einen “stark fallenden Ölpreis”, im Gegenteil: ich schrieb irgendwo, dass die 200 Dollar pro Barrel durchaus drinnen sein könnten, Spekulation und Bubble hin oder her. Aus dem Grund sehe ich ja auf kurze Sicht schwarz für den Dollar.
Was Quadrillion beschreibt ist die “abiotische” Theorie zur Entstehung von Öl. Kein Mainstream, aber sie hat es immerhin in die Wikipedia geschafft. Das man sie nicht widerlegen kann, ist allerdings noch kein Beweis dafür, das sie richtig ist.
http://en.wikipedia.org/wiki/Abiogenic_petroleum_origin.