Alle Achtung, Nils Minkmar!

von weissgarnix am 24. März 2008

Daß mir ein Artikel in der deutschen Tagespresse, noch dazu in einem bürgerlichen Blatt wie der FAZ, in meinem Leben nochmals ein “Wow!” entfahren lassen würde, und das bereits nach den ersten paar Zeilen, hätte ich im Traum nicht gedacht. Ich bin bekanntlich ein Freund klarer Worte, und diese vermisse ich an den entscheidenden Stellen schon seit langer Zeit. Umsomehr beeindruckte mich die Einleitung des jüngsten Beitrages von Nils Minkmar über Jürgen Todenhöfer in der online-Ausgabe der FAZ von gestern.

Er schreibt da nämlich, unter dem Titel “Sind wir die Terroristen?“, folgendes:

“Vorbereitung eines Angriffskrieges. Jeder Schüler kennt diesen Anklagepunkt des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals. Jeder Fernsehzuschauer weiß, dass der Krieg gegen den Irak ein Angriffskrieg war. Dennoch gibt es kein Tribunal, keine Angeklagten, kein Verfahren. Die Würde des Menschen ist unantastbar, weiß jeder. Dennoch ist es schon in der Berichterstattung ein Unterschied, ob ein Deutscher, ein Europäer, ein Amerikaner ums Leben kommt oder ein Araber – im letzten Fall erfahren wir nicht mal den Namen des Opfers. Schließlich ist der Mehrheit längst klar, was von den Argumenten für den Irakkrieg zu halten ist, der erschütternde Film „Leading to War“, kostenlos einsehbar auf der gleichnamigen Website, kommt daher völlig ohne Kommentar aus. Der Krieg tobt ohne Berechtigung, aber nicht weniger heftig.”

Ich mußte diese Sätze ein paar mal lesen, um schliesslich glauben zu können, was da stand. Und um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: natürlich ist das so, und natürlich wissen wir das auch alle, mich eingeschlossen. Aber ich kann mich nicht erinnern, ähnliches in dieser prägnanten Form und Ausdrucksstärke auch nur ein einziges mal früher irgendwo gelesen zu haben. Ich bin zwar sicher, dass Blätter wie die taz in vergleichbarem ductus gegen den Irakkrieg geschrieben haben. Aber die großen, überregionalen Zeitungen? Da stand meist nur verklausulierte Kritik, mit einer Menge Fragezeichen nach jedem Satz, wie etwa “Hat dieser Krieg eine Berechtigung?” oder “ist er gar völkerrechtswidrig?” und dergleichen mehr.

Dabei hätte es sich der Minkmar leicht machen können, hätte diese Sätze als indirekte Rede der Person zuordnen können, die sein Artikel portraitiert, den oben schon erwähnten Jürgen Todenhöfer nämlich, seineszeichens stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Burda-Verlags und enthusiastischer Aktivist gegen den Irakkrieg. Theoretisch hätte man auch ihn hier als “Hero” bringen können, aber dann wiederum: ein paar Anzeigen gegen die Kriege in Afghanistan und im Irak zu schalten und Bücher darüber zu schreiben ist zwar sehr anerkennenswert, aber andererseits für einen Menschen in derart gehobener Position nun auch nicht gerade Übermaß.

Aber das ein Journalist der “mainstream”-Presse, die für gewöhnlich politisch-korrekt weichgespült und transatlantisch geföhnt daherkommt, die Dinge derart glasklar beim Namen nennt, ist mir spontan einen eigenen Beitrag wert.

Lieber Nils Minkmar, falls es bei der FAZ eines Tages keinen Spaß mehr machen sollte, und der Springer-Verlag angesichts des oben zitierten als Alternative wohl eher nicht mehr in Frage kommen wird: in diesem Blog sind sie als Gastschreiber jederzeit herzlich willkommen. Sie sind mein Held des Tages!

{ 5 Kommentare… Lesen Sie sie nachfolgend oder schreiben Sie einen }

1 demokrat März 25, 2008 um 12:30

Und was ist mit dem Bruch des Waffenstillstandes, den Saddam begangen hat, als er die Inspektoren aus dem Land jagte?
Aus lauter Hass gegen die USA wohl vergessen?

2 Der Intendant März 25, 2008 um 14:46

> Und was ist mit dem Bruch des Waffenstillstandes,
> den Saddam begangen hat,
Hä? Saddam hat welchen _Waffenstillstand_ nochmal genau gebrochen?

> als er die Inspektoren aus dem Land jagte?
Die erstmal das ganze Land vor dem Angriff inspizieren … nannte man früher Spione.

3 ODIN März 25, 2008 um 17:38

@demokrat, du bist mehr, auch Geographiekenner – verteidigst uns bestimmt an der deutschen Hindukuschgrenze – ganz nach Wort und Buchstaben des Grundgesetztes für die Bürger… . Aber wenn das alles wäre, natürlich hast du Fotos von Saddam und Osama, wie sie Pläne schmieden, um die Welt zu vernichten. Richtig ernst wurde es aber nachdem Saddams Massenvernichtungswaffen gefunden wurden ? Und all diese arabischen Terroristen die den koalierten willigen Befreiern einfach nicht ihr Öl überlassen wollen. Ja, ja diese Demokratie kennen wir. Unsere Kaschis sind geladen und entsichert, für den Fall, daß ihr versucht unter dem Namen GLADIO hier Demokratie zu provozieren.

4 weissgarnix März 25, 2008 um 17:54

@demokrat

In meinem Beitrag ging es weder um Für und Wider des Irakkriegs noch um die Kultivierung eines wie immer gearteten “Hasses auf Amerika”, sondern um die Würdigung eines deutschen mainstream-Journalisten, der als einer der wenigen mal die Dinge beim Namen nennt. So oder so. Ich zolle auch gerne jedem Respekt, der klipp und klar in 3 Sätzen sagen kann, warum er für den Irakkrieg ist, auch wenn ich selber anderer Meinung bin.

5 Michael März 25, 2008 um 18:29

Es dürfte bewiesen sein, daß die Okkupation Iraks ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg der USA war, der inzwischen hunderttausende irakische Zivilisten das Leben gekostet hat. Und wer was anderes behauptet, ist ist alles, aber kein Demokrat.

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