Wenn man glaubt, diese Krise ist an Skurillitäten nicht mehr zu toppen, dann wird man derzeit täglich eines Besseren belehrt. Nachdem sich mit Paulson, Bernanke und den üblichen Verdächtigen aus mainstream-Ökonomie und Politik bereits ein mehr als gesundes Maß an Protagonisten an der Stützung der einstürzenden Kreditpyramide verhoben haben, kommen die neuesten Zwischentöne aus einer Ecke, die interventionistischen Vorlieben normalerweise gänzlich unverdächtig ist.
Deutsche Bank Boss Josef “Joe” Ackermann höchstselbst, der Gott-sei-bei-uns der deutschen Bankenszene, den selbst ein geifernder Leo Kirch und ein ambitionierter Staatsanwalt in Sachen Mannesmann nicht das Fürchten lehren konnten: vor dem sich am Horizont abzeichnenden Kredit-Tsunami geht auch er lieber in Deckung. Wo? – Natürlich dort, wo sich alle plötzlich so wohl fühlen, die gestern noch laut “Liberalisierung!” gerufen haben: unter dem wohlig-warmen Rockzipfel von Mama “Öffentliche Hand” und hinter den breiten Schultern vom starken Papa “Staat”. Auf einer seiner vielen Reisen durch die Welt hat man Joe wohl mal irgendwann eine weiße Fahne ins Gepäck gesteckt, so für alle Fälle, und mit dieser wedelte er heute ziemlich kräftig.
Unter dem sentimental-verklärten Titel “Ackermann sehnt staatliche Eingriffe herbei” (sic!), nahm ihm die Redaktion der FTD heute morgen seine staatsmonopolkapitalistische Beichte ab:
“Was wir in den USA gesehen haben, auch die Rettung von Bear Stearns, sind gute Ansätze”, gab Ackermann da z.B. zu Protokoll. Yep, Joe, das sind sie … allerdings ausschließlich für JP Morgan, für die Ostern dieses Jahr 2 Wochen früher stattfand als sonst.
“Wir haben nicht die Zeit zu warten, bis der US-Häusermarkt über Jahre das Ungleichgewicht abbaut.” – Ungleichgewicht? Welches Ungleichgewicht? – Die Amis haben kein Geld für neue Häuser, Joe, und daher liegen jetzt eine Menge Neubauten solange auf Halde, bis die Anbieter (oder deren Masseverwalter) mit den Preisen runtergehen. Schon vergessen, wie das Spiel läuft, Herr Ackermann? Das war doch schon mal ganz anders, nicht wahr, und noch gar nicht solange her, als Compagnero Anshu Jain noch folgendes per Pressemitteilung im Juli 2006 verlauten ließ: “Das MortgageIT-Team hat ein äußerst erfolgreiches Geschäft aufgebaut. Wir sind froh darüber, dass wir nunmehr gemeinsam unsere Plattform für Immobilienkreditverbriefungen in den USA und weltweit weiter ausbauen werden”. Wie müssen wir also den plötzlichen Sinneswandel verstehen? Spricht der große Meister etwa gar pro domo?
“Der Vorstandschef der größten deutschen Bank stellt sich damit indirekt hinter die zunehmenden Forderungen von Bankern nach dem Aufkauf der faulen Hypothekenkredite durch den Staat. Zahlreiche Banken und Handelshäuser hatten in diese Papiere investiert und über Jahre damit satte Gewinne eingefahren.”, meint die FTD im Kommentar. Ja, klar, der Staat (formerly known as the “Steuerzahler”) soll euch den ganzen Schrott halt mal schnell abnehmen, den du und Herr Jain per grenzgenialer “Verbriefungsplattform” von MortgageIT und Co. in die Welt gesetzt habt, logo. Das haben wir schon so verstanden.
“Es gab etwas, was wir noch nie gesehen haben, einen Investorenstreik. Das hat sich leider bis heute verstärkt und zu einem Dominoeffekt geführt.”, schiebt Ackermann dann zum Schluss als Begründung hinterher. Meinst Du das im Ernst, Joe? Streiken die Investoren wirklich? So mit Bannern und Trillerpfeifen, in Sternmärschen auf die Zwillingstürme der Deutschen Bank in FFM? Oder haben sie sich nur vergegenwärtigt, welches Spiel da mit ihnen und vor allem ihrem Geld getrieben wurde? Und jetzt meinst Du also, weil die Investoren schließlich, nach ohnehin all zu langer Zeit, dahintergestiegen sind, was Du und Deinesgleichen da für kapitalistische Kleinkunst auf dem Programm hattet, und in Scharen aus dem Theater gestürmt sind, müssten jetzt die Steuerzahler dem Spektakel unbedingt von den billigen Plätzen aus beiwohnen? – I don’t think so, Mister Ackermann!
Schade Joe, gerade hatte ich angefangen, Dich zu mögen …




















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Mullah Ackermann
- “Wir haben nicht die Zeit zu warten, bis der US-Häusermarkt über Jahre das Ungleichgewicht abbaut.” – Ungleichgewicht? Welches Ungleichgewicht?
Ungleichgewicht ist das Eine, keine Zeit zu warten das Andere, genauer eigentlich, immer noch keine Zeit zu warten. Wenn wir nicht zum Markt gehen, dann kommt der Markt eben zu uns, so einfach ist das, Amen. Mullah Ackermann hat wohlfeil gesprochen und seine staatsterroristische Grundgesinnung zum Besten gegeben. Da werden Sie geholfen, da capo, da capo mit standing ovations.
Unlängst liess der Tages-Anzeiger verlauten http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/852082.html , “die Mär vom freien Markt”. Ja es ist eine Mär, oder eine alte Frage, was denn eigentlich Markt ist. Keine Mär ist der Markt, wenn auch Al Capone Marktteilnehmer ist, ist er es aber nicht, bleiben die Rollen der Kapitalapparatschiks schwer bis unerklärbar und mit ihnen auch der Markt. Über simples Sonntagsredengeplänkel kommen wir dann nicht hinaus, eigentlich erübrigt sich jede Marktdiskussion wenn Einschränkungen des Markts weder gelebt noch durchgesetzt werden, wenn einer bloss dann gerichtet wird, wenn er sich beim ausserehelichen Geschlechtsverkehr hat erwischen lassen. Erst recht in einer Zeit wie dieser, wo der Markt beweisen könnte, sollte und systemimmanent müsste, dass er Markt ist und nicht irgendeine Propagandaplattform zur Füllung der machtgierigsten Kassen. Denn damit verkäme – tatsächlich verhält es sich leider so – verkommt der Markt zum reinen Selbstzweck, am Ende soll Geld noch mehr Geld produzieren und willst Du nicht hören so brauch ich Gewalt, mit aller mir z.V. stehenden Gewalt. Üblicherweise steht Otto Normalfilbinger unversehens an irgendeiner Front zwecks zwangsvollstreckender Ressourcen-Re-Lokalisation. Hinterher ein gefälliges Niewieder und alles wird GUT. Nur dass man in einer globalisierten Wirtschaft nicht wirklich jemand was wegnehmen kann ohne dass einem die Beute umgehend am Arsch wieder entrissen wird.
- “Es gab etwas, was wir noch nie gesehen haben, einen Investorenstreik. Das hat sich leider bis heute verstärkt und zu einem Dominoeffekt geführt.”, schiebt Ackermann dann zum Schluss als Begründung hinterher. Meinst Du das im Ernst, Joe?
Sischer sischer, ziemlich genau so ernst wie Al Capone. Nur dass sich der Joe den Status der Semilegalität bewahrt hat und beim Volk in etwa so beliebt ist wie jedes andere gestandene Mannsbild.
- Und jetzt meinst Du also, weil die Investoren schließlich, nach ohnehin all zu langer Zeit, dahintergestiegen sind, was Du und Deinesgleichen da für kapitalistische Kleinkunst auf dem Programm hattet, und in Scharen aus dem Theater gestürmt sind, müssten jetzt die Steuerzahler dem Spektakel unbedingt von den billigen Plätzen aus beiwohnen? – I don’t think so, Mister Ackermann!
Ich think aber schon, dass der das genau so meint und der meint auch, dass das alles seine Ordnung hat. Sein Gewissenbelastung dürfte in etwa mit jener von Al Capone vergleichbar sein, knapp über Null mit einem Grinsen auf den Backenzähnen. Und ich think sogar, dass er damit gar nicht so Unrecht tut, weil die billigen Plätze bislang nichts weiter als billige Rollen gespielt haben statt sich vom hehren Volksolymp herab zu bequemen und schon mal massig mit dem Bau von Guillotinen zu beginnen. Von nix kommt nix, weissgarnix, oder?
Grüsse aus dem Off
kosh
Ich muss mich immer wieder über den Herrn wundern. Ganz ehrlich und ganz unverblümt: Der könnte mal eine gehörige Portion Backenfutter gebrauchen, und da könnte man am besten eine ganze Reihe Protagonisten mit einbeziehen. Erst die fetten Gewinne machen und dann nach Mama schreien. Was mir am meisten aufstößt ist, dass dem das offensichtlich noch nicht mal unangenehm ist. Der scheint wirklich zu glauben, dass das Spiel so funktionieren muss. So eine charakterlose Type.
Mr.Market ist wieder euphorisch, Joe weiss jedoch genau warum seine Beinchen schlottern sollten, auf Seite 30 in der u.a. pdf sieht man noch einmal deutlich was vor uns liegt. Diese Balken lassen nicht auf eine baldige Rückkehr des Vertrauens hoffen.
http://www.dbresearch.com/PROD/DBR_INTERNET_EN-PROD/PROD0000000000218883.pdf
Gruss
Louis
Bombige Gewinne bonifizieren, stattliche Verluste verstaatlichen, so lohnt sich das ackern !