Am Dienstag kündigte die FED bekanntlich eine neue Fazilität an, die mit 200Mrd. Dollar dotierte „Term Securities Lending Facility“(TSLF). Das ganze wurde zur “Entspannung des Kreditmarktes” verkauft, die Investoren atmeten auf, die Aktienkurse schossen in die Höhe, und am nächsten Tag konnte man in praktisch allen Wirtschaftsgazetten die Schlagzeile lesen: “FED flutet die Märkte”. Das, so scheint es mittlerweile aber, ist keineswegs, was die FED mit dieser zusätzlichen Fazilität beabsichtigt. Stattdessen handelt es sich wohl ausschließlich um eine Unterstützung für einige wenige Top-Banken, mit denen die FED direkt zusammenarbeitet, die sogenannten „Primary Dealers“.
Bei diesen (nachfolgend „PDs” genannt) handelt es sich um 20 Großbanken, über die die FED regelmäßig ihre direkten Offenmarkttransaktionen abwickelt, d.h. US Staatsanleihen und andere Papiere kauft oder verkauft, um damit die auf dem Geldmarkt herrschenden Zinssätze zu beeinflussen. Diese neue „TSLF” erlaubt es nun den PDs, ihren eigenen Bestand an Hypothekenpapieren sowie Anleihen der beiden großen US Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac, per Auktion der FED anzudienen, und damit im Gegenzug US Staatsanleihen zu erhalten. Und zwar für einen Zeitraum von exakt 28 Tagen, danach wird das Geschäft rückabgewickelt (und vermutlich erneut für weitere 28 Tage abgeschlossen).
200Mrd. Dollar sind zwar eine Menge Geld, aber angesichts der Größe der Probleme auf dem US Hypothekenmarkt, mittlerweile werden 1.000-2.000 Mrd. Dollar an Ausfällen für möglich gehalten, doch eine eher bescheidene Summe. Daher fragt man sich, was bezweckt die FED eigentlich mit dieser Maßnahme, bei der genaugenommen auch keineswegs „Geld geschaffen” sondern lediglich zwei Aktiv-Posten, nämlich Hypothekenpapiere gegen Staatsanleihen, getauscht werden?
Den ersten Hinweis lieferte heute die Pleite von Carlyle Capital, über die ich heute morgen geschrieben habe. Ich hätte nämlich nach der FED-Verlautbarung vom Dienstag in Sachen TSLF gedacht, dass es einer renommierten Investmentfirma wie Carlyle nunmehr nicht schwer fallen sollte, ihre Hypothekenpapiere gegen Treasuries zu tauschen, und damit ihre Kreditgeber ruhig zu stellen. Aber weit gefehlt: Carlyle Capital Corporation ist offensichtlich Geschichte.
Den zweiten Hinweis liefert diese Statistik der New York FED, die die Netto-Positionen der PDs in verschiedenen asset-classes zeigt. Wie man an den von mir rot unterstrichenen Positionen erkennen kann, waren die PDs in Summe die Treasuries mit rund 94Mrd short, die Agency Papers von Fannie und Freddie sowie die Hypothekenpapiere aber mit zusammen rund 200Mrd. Dollar long. Dass die Summe der Long-Positionen justament 200Mrd. ausmacht und damit exakt soviel wie die FED jetzt über die TSLF eben diesen PDs bereitstellen will, mag Zufall sein oder auch nicht.
Nun lief bekanntlich die Kursentwicklung der Treasuries jüngst steil nach oben, die 5-jährigen z.B. fielen in den letzten 6 Monaten in der Rendite von 4,5% auf knapp 2,5%, was spiegelbildlich entsprechend Kurszuwächse bedeutet. Die Papiere von Fannie und Freddie hingegen brachen regelrecht ein, was nicht zuletzt die Pleite von Carlyle Capital verursacht hat. Was bedeutet das nun für Investoren, die Treasuries short und Fannie/Freddie long sind? Exakt: massive Verluste. Einen doppelten „Squeeze”, wenn man so will, sowohl von der short- als auch der long-Seite. Wie würden Investoren normalerweise darauf reagieren? Sie würden ihre Verluste begrenzen und die Positionen glattstellen, das heisst in diesem Fall: Treasuries kaufen und Fannie/Freddie-Papiere verkaufen. Das wäre aber nun just genau das, was die FED aktuell am allerwenigsten gebrauchen kann, denn damit würden die Kurse der Treasuries weiter nach oben getrieben und die Papiere von Fannie und Freddie in den Keller geschickt werden. Daher – meiner Meinung nach – die spontane Nummer mit der „Term Securities Lending Facility”. Das war die Motivation, nichts anderes. Die FED wollte damit nicht bestehende Probleme lösen, sondern verhindern, dass neue hinzutreten.
Was in meinen Augen nur bedeuten kann: es ist alles noch viel schlimmer, als wir glauben (sollen).















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Die Waltons
http://www.marketwatch.com/news/story/fed-action-may-have-targeted/story.aspx?guid=%7B561F71C8-D374-491C-9D3C-A55EFBB7615E%7D
Gute Nacht Jim Bob, gute Nacht John-Boy….
Gruss
Louis
Louis,
danke für den interessanten Link. Ja, Bear Stearns ist in der Tat auch ein “Primary Dealer”, und wäre für eine derartige Rettungsaktion natürlich ein 1A Kandidat. Allerdings könnte ich mir gut vorstellen, dass auch die Jungs von der Deutschen Bank und Goldman Sachs die Chuzpe besaßen, T-Bonds im großen Stil short zu gehen … auf jeden Fall: die Zeitungskommentare, wonach die FED jetzt “alles für die Märkte” tut, sind mM nach total unzutreffend.
Meines Erachtens macht es für den Otto Normafilbinger wie mich nur beschränkt Sinn, allzu tief in die Irrungen und Wirrungen mitsamt ihren kryptischen Verschränkungen abzutauchen. Immer neue und skurrilere Kürzel stehen für noch abstrusere Verzweiflungsakte einer historisch nachvollziehbaren Weichenstellung. Wesentlich ist, das grosse Bild im Auge zu behalten. Als da z.B. @jacques wäre, welcher die Taktik des Zeitgewinnens auf Teufel komm raus explizit erwähnt hat. Aber auch diese Feststellung ist lediglich eine Übertragung aus früheren Krisen, wenn man keine Zeit mehr hat, muss man versuchen, Zeit zu gewinnen. Wie und warum oder wann wer im Detail was vermurkst, dürfte in ökonomisch-esoterischen Kreisen zwar interessant sein und bleiben, aber auch dort ebenso schwer durchschaubar wie zeitraubend, um überhaupt auf dem aktuellsten Stand der Rückabwicklung zu bleiben. Selbst wenn man aus beruflichen Gründen die Musse hat, dürften die Unsicherheiten betreffend Erklärungsmuster nicht aus der Welt zu räumen sein. Um so wichtiger ist es für Otto Normalfilbinger, die Details mit dem Gesamtbild vergleichen um die Richtung seines Handelns jederzeit zuverlässig eichen zu können. Je konservativer ein Börsenteilnehmer investiert ist, desto immunisierter wird er sich gegen die privatwirtschaftlich erzwungene Planwirtschaft aufgestellt haben – und entsprechend abwarten und Tee trinken. So wie ich z.B., der ich meine Liquidität dem Markt oder dem was davon übrig geblieben ist – wenn er denn je in jener propagandistischen Form existiert hat – wegen planwirtschaftlicher Hürden nicht z.V. stelle, auch nicht
Aber das ist nicht weiter schlimm, solange man Papierblut in beliebiger Menge zuhanden einer “freiheitlich-demokratisch” geheg(d)ten Versagerkaste erfinden kann.
Ach ja -> http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/330879.html
Danke, weiter so und Grüsse
kosh
PS: Einloggen geht nicht: Ungültiger Benutzername
@Kosh
Klar ist das teilweise “esoterisch”, aber man sollte sich ab und an schon vor Augen führen, ob die Dinge so sind, wie sie zu sein scheinen … da erzähle ich dir ja nix neues. Danke für den link zum “Kapital”, meiner Meinung nach die einzige Rubrik in der FTD, die man noch ernstnehmen kann, und streckenweise wirklich ausgezeichnet.
Dein “User” ist übrigens genauso wie alle anderen (inkl. mein eigener) beim Relaunch des Blogs leider auf der Strecke geblieben. Meine MySQL-Kenntnisse schienen dem Abenteuer wohl doch nicht restlos gewachsen … ich habe aber gar nicht mehr weiter daran gedacht, weil ich ohnehin jedem Besucher hier alle Schreibrechte eingeräumt habe, Registrierung somit gar nicht mehr erforderlich ist.
Stimmt, auch ein Chefanalyst der Bremer Landesbank kann durchaus mal recht haben … danke für den Link
@weissgarnix
Bevor Missverständnisse aufkommen, mein Duden meint:
“esoterisch: a) nur für Eingeweihte, Fachleute bestimmt u. verständlich”; b) geheim; Ggs. -> exoterisch”
Streng genommen dürftest Du die Anführungszeichen also weglassen, wenn da nur nicht die gemeinen “Esoteriker” wären, die wiederum streng genommen in Anführungszeichen gesetzt werden müssten. Verkehrte Welt.
Hallo kosh
Nach US schauen hat auch lustige Seiten, wie zum Beispiel die, die da heisst “bubble-watch”: man sieht wie sie sich blähen und rund und runder werden und mit fürchterlichem Knall platzen und dabei schon die nächste gebären….
Fed/TSLF – weissgarnix
Meine Forschungen decken sich mit Deinen Ergebnissen:
Express Nothilfe mit Liqui für halbtote Finanzinstitute (Bear Stearns, ..)
Bei der Liqui muss man unterscheiden:
a. Dienstleistung für Märkte zur Aufrechterhaltung der Asset-Märkte; zb. TSLF
b. monetäre Basis; die bleibt durch TSLF unberührt
Da hier a. gilt, hat die ganze TSLF-Aktion einen reinen bailout-Charakter und trägt beinahe nichts zu den grundlegenden Problemen (Vertauen, Solvenz, shadow banking systen) bei.
Daher auch J. Rogers in CNBC: die Masarati fahrenden WS-Manger heraushauen.
Zu Grundprobleman habe ich hier einen hübschen Artikel.
Krugman: Fed is Running Out of Tricks
http://www.nakedcapitalism.com/2008/03/krugman-fed-is-running-out-of-tricks.html
Daraus drei Varianten wie andere den Weg durch das Elend gingen:
“..Asia has been here before. Japan encountered this problem around 1990, and East and Southeast Asia encountered it in 1997. Roughly three models for dealing with the problem exist:
* Japan model: Use reserves and formal and informal measures to avoid actions that would trigger massive bankruptcies and unemployment. Accept economic stagnation for the better part of a generation.
* South Korea model: Move rapidly to restructure the economy, using economic and political means. Control social unrest with security measures. Move out of the problem in a matter of years.
* Indonesia model: Lacking resources to manage the crisis, suffer both financial dysfunction and political strife among the elite and between regions.
Japan was able to do what it did because it is a highly disciplined, cohesive society, in which shared pain is viewed as preferable to social dislocation. South Korea was able to do what it did because the magnitude of its crisis was relatively less than Japan’s, and because the state had the means for suppressing unhappiness. Indonesia failed to do what it needed to do because it lacked resources and political power.
Other countries have fallen somewhere along this continuum. China will make its own path. However, it should be pointed out that China is not socially similar to either Japan or South Korea. Like Indonesia, China is a diverse and divided nation. The Communist Party lost its moral standing in the 1970s. As with Suharto’s government, its legitimacy now derives from the fact that it has created prosperity. When prosperity slows down or stops, the Party cannot fall back on inherent legitimacy, as was the case with the system in Japan. And the wildly diverse levels of economic development make a single, integrated solution, as was used in South Korea, unlikely. The most likely direction for China, therefore, is massive social and political instability. ..”
Den Weg, den die US nehmen: sie gehen den Weg der Inflation.
Für den Spekulanten heisst das:
- alles wird im Preis steigen; auch die assets
- der Weg bis zum Anstieg geht solange noch abwärts, wie lange die Unsicherheit darüber anhält, ob das gesamte Finanzsystem nicht einfach zum Teufel geht (schwere Eingriffe mit Multimilliarden-Übernahmen der “to big to fail Banken” durch die Regierungen; Sozialismus der Reichen)
monkeydonkey
@monkey donkey
Danke für deinen umfangreichen Beitrag, da muß ich nicht soviel schreiben
@ weissgarnix:
Interessanter Blog. Wie schätzen Sie mittel- bis langfristig die Entwicklung des Dollars ab? Best case – worst case?
@Skid Row
Das ist in der Tat schwer zu sagen. Momentan tut die FED natürlich alles dafür, ihn in den Keller zu schicken. Und da kann Paulson noch so oft sagen”We want a strong dollar”, ich glaube dem Mann kein Wort … Problem ist nur, dass im Falle eines richtig großen, deflationären Kollaps in US Assets bei “frei verfügbaren” Dollars, also Cash und Geldmarktguthaben genau das Gegenteil eintreten könnte, weil man diese händeringend suchen wird, um fällige $-Schulden damit abzutragen. Falls aber Bernanke das richtig große Rad dreht, und das US Treasury mittels FED-Krediten anfängt, private assets en gros aufzukaufen, dann glaube ich, dass der Euro demnächst die 2 Dollar mit lässiger Leichtigkeit überwinden wird …
@monkeydonkey
Die Amis auf Kurs
Bubble-watch ist gut, seit nunmehr 6 Jahren habe ich diverse Poster zur Weissglut getrieben mit meinem Leitspruch “die Amis auf Kurs” und mich nebenbei köstlich unterhalten durch die Kommentierung der Heimat der Bubblegums. Ja was soll ich denn tun wenn es nunmal so ist wie es ist? Sie sind auf Kurs und ums Verrecken nicht davon abzubringen
Mein Steckenpferd ist weniger der ökonomisch-esoterische Detailreichtum, weil egal wie die strukturierten Fantasieprodukte auch heissen mögen sie doch am Ende wieder auf dem Boden der Tatsachen aufschlagen müssen. Da ist es aus meiner bescheidenen exoterischen Sicht nicht so wichtig, wie die Dinger nun geheissen haben und was sie bewirkten, obwohl ich gerne darüber lese und staune. In die Geschichte geht diese Bubble wahrscheinlich als Subprimekrise, weil sie das Fass zum Überlaufen brachte.
Nun, mein Senf zu dem US-Gehabe aus grobianisch wirtschaftspolitischer Sicht: die Schweiz, Europa oder kurz, je weiter weg von den USA, desto mehr spielt die wirtschaftspolitische Dimension in Richtung der neuen Hegemonen. Die Neuorientierung muss ökonomisch zwangsläufig mit Asien abgewickelt werden, weil dort die Zukunftsmärkte aufspielen. Konsumenten wie im Schlaraffenland, Milliarden, so viel wie noch nie! Und die meisten kommen von ganz unten, Trend Richtung unterer Mittelstand oder höher, aber ganz klar ein Trend. Im Gegensatz zu den Bubblegummern, Trend seitwärts oder runter. Wenn sich die USA dieses Mal ihren üblichen Kolonialkrieg verkneifen können wird das Brot der Welt über die nächsten Jahrzehnte wieder rund um den Himalaya gebacken.
Kurzfristig richtet sich der Fokus natürlich noch auf die USA, auch weil der USD noch Weltreservewährung ist, gerade noch. Aber auch wegen unseren schlechten psychologischen Angewohnheiten, als Schweizer weiss ich nur zu genau, wie viele Amifandeppen in meiner Heimat gerade erst die Swissairpleite halbwegs verdaut haben, und schon steht die UBS an der Schwelle zum Abgrund. Nicht ganz so national aber dafür umso gewichtiger. Dennoch, auf diese Fangruppen darf keine Rücksicht genommen werden.
In letzter Zeit mehren sich multimedial-global Meldungen über die politische Abkehr diverser Staaten vom USD in Richtung (zunächst) Euro, Visionäre dieser Entwicklung sind ausgerechnet die Ehrenmitglieder der Achse des Bösen, Realsatire wie sie nur das Leben schreiben kann. Meiner Einschätzung nach wird der Dollar durch einen Wettbewerb zwischen der neuen Hegemonen abgelöst, und somit von einem Währungsbasket (wenn ich die Begrifflichkeiten nicht durcheinander bringe). Wann genau der Paradigmenwechsel durchschlägt steht natürlich in den Sternen, wie jedes Timingproblem in Sachen Wirtschaft. Klar ist, dass der Paradigmenwechsel kommen muss, dies gilt es im Gesamtbild fortwährend zu berücksichtigen. Und zu berücksichtigen ist ferner, je eher Europa den USD zu hätscheln aufgibt und seinem “ökonomischen Gewicht” entsprechend fair behandelt, d.h. marktgerecht wie es nach US-Sonntagsredenart eigentlich sein müsste, desto sanfter wird das Atlantiker-Sturmtief unsere eigenen Währungen verwerfen. Aber noch haben wir uns psychisch nicht von den USA gelöst, noch wollen auch “wir” den Traum weiterträumen, selbst wenn die Hauptdarsteller von Freiheit und Demokratie mehr und mehr Objekt der Belustigung sein werden.
Grüsse
kosh
Hallo Kosh
Gut getextet.
“..In die Geschichte geht diese Bubble wahrscheinlich als Subprimekrise..”
Auch da pflichte ich Dir völlig bei.
So geht die Realität mit einem völligen abwegigen Begriff in die Geschichte ein.
Man sagt dann: würden die Idioten, die zu blöde sind um zu errechnen, ob sie sich ein Haus leisten können oder nicht, ihre Zinsen zahlen, dann wäre alles in Butter.
Man sieht hier: die Realität wird in einen falschen Begriff geknechtet und Klarheit geht baden.
Ich ziehe ordentliche Begriffe vor.
Und nennen die “Krise” (für die, die falsch im Markt liegen), das Geschehen die Bankenkrise 07: deren Bau zu Babel, das shadow banking system ist der Grund und die Ursache.
Ja: Bankenkrise.
Die Derivate-Pyramide und daraus die vielen Produkte, die alle kreeiert wurden, um die Absatzkanäle und Profitkanäle mit Handelswerten zu fluten: dieses ganze Las Vegas -aufgebaut aus Können, Gier und Überheblichkeit- ist die Wurzel des ganzen Spoektakels.
Gruss
monkeydonkey
oooops, Jim Bob schläft schon.
Gruss
Louis
@monkey donkey & @ Kosh
Ihr habt beide recht: “Subprimekrise” trifft es überhaupt nicht. “Verbriefungskrise” schon eher. “Bankenkrise” auch nur als Momentaufnahme. Ich glaube, es wäre gerechtfertigt von einer “generellen Kapitalrendite-Krise” zu sprechen, die dazu geführt hat, dass seit Mitte der 80er allemöglichen “Überrendite”-Säue durchs Dorf getrieben wurden, angefangen bei Milken’s Junk Bonds, über Technologie-Akien, Internet-Aktien, Immobilien immer wieder mal zwischendurch, dann Hedge- und Private Equity-Fonds und jetzt die ganze Verbriefungsarie. In dieser ganzen Zeit rendierten Basisprodukte aber mit lächerlichen 4-5%. Wer kann sich noch an die Zeiten erinnern, wo man selbst von einer deutschen Lebensversicherung 6-7% inkl. Überschußanteil bekam? Ist lange her … da bläßt meiner Meinung nach der Wind her, verbunden mit der Tatsache, dass die Banken dies zu kompensieren versuchten, in dem sie ihre Geschäftsmodelle immer stärker auf “fee income” statt der traditionellen “Zinsmarge” ausrichteten.
Unser Freund “dottore” Paul C. Martin postulierte dies bekanntlich als Kennzeichen des “finalen Blow-off”, wie er es nannte. Demnach käme jede Aufschuldung zum Erliegen, wenn der Grenzertrag der Neuverschuldung niedriger liegt, als ihre Grenzkosten. Wir scheinen diesem Punkt meiner Meinung nach zumindest sehr nahe gekommen zu sein, ob wir ihn schon erreicht haben, …. wer weiss?
Folgender Text erschien heute abend um 19:27 in der Online-Ausgabe der “Financial Times”:
“With hindsight, Tuesday’s announcement of a Fed programme to lend up to $200bn of Treasuries to brokers in exchange for mortgage bonds appears custom-made to rescue a specific bank, Bear Stearns. It came too late. While access to Treasuries will make it less likely that another broker gets into trouble, it is unlikely to ease the wider problems in the credit markets.”
Jaja, “with hindsight” … schon klar. Mindestens 3 Blogger haben diesen New York FED Chart ausgegraben und den Braten gerochen, schon 24 Stunden früher … nicht alles glauben, was in den Pressemitteilungen steht, meine lieben Freunde von der FT, und ein bisschen selber recherchieren, dann klappt’s auch mit dem “foresight”!
Hallo weissgarnix
Von dem angemessenen Begriff für die viele erhitzenden, aktuellen Vorgänge im Feld der Polit-Wirtschaft:
Ich habe auch den Begriff “structured finance crisis” (Setser) erwogen, der mit Deinem der “Verbriefungskrise” identisch ist.
Warum ich diesen weggelegt habe, wie auch den der “generellen Kapitalrendite-Krise” weniger treffend finde, liegt daran, dass sie zu ‘systemisch’ sind: wie das Wetter, ein Geschehen der Natur oder eben des Systems.
Ich bevorzuge aber, dass der Schurke -und nicht bloss einen System-Zug- im Spiel beim Namen genannt wird.
Und bleibe deshalb bei “Banken-Krise”: die Banken und genauer deren ohne Zwang aber mit viel Sinn für das selbst gesetzte Endziel hin konstruiertes und als grosssen Segen (Risikoverteilung, fee-Kreator) neu eingeführtes Verbriefungsgeschäft, ruinieren nicht nur sich selbst, sondern schieben das ganze Wirtschaftsgeflecht über die Wiley Coyote Kante (er hängt solange über dem Abgrund, wie er nicht runterschaut).
Das ist minimal fahrlässiges Verhalten. Toxic waste: Buffett.
Wer ansonsten mit Gefährdungspotentialen solchen Ausmasses umgeht, muss umsichtig sein; kriegt einen Gefahrenklassen-Kleber oder eine speziell armierte Betonumhüllung oder eine Zwangsjacke.
Nein, ich bleibe dabei:
die “Banken-ruinieren-sich-selbst-und-die-Restwirtschaft”-Krise.
Genau so ist das Ding klarstmöglichst beschrieben.
Allenfalls könnte ich Hand bieten für Begriffe die mehr den medizinischen Aspekt herausheben:
die “Banken-im-Delirium-Krise” zb.
(Dabei geht dann gleich viel Abschätzigkeit verloren und man geht dann leichter in die Haltung des Samariters und Medicus über: kranker Mann, ich will dir helfen.
So viele US-Ökonomen, auch und vor allen der sehr geschätzte Roubini)
Gruss
monkeydonkey
ps: Roubini sieht die Stufe 9 der zwölstufigen Rakete gezündet
@monkeydonkey
Du hast recht, wenn man den Verursacher benennen möchte, dann in der Tat “Bankenkrise”.
Hallo weissgarnix
Es heisst zwar auch “Irakkrieg”, aber der Sache nach ist es der “Krieg der Amerikaner im Irak”.
Auf solche Kleinigkeiten zu achten, ist dem Wanderer durch die Zeiten zur Pflicht auf den Hinterkopf geritzt; so dass wenigstens der Hintermann ein Zeichen zur Erinnerung hat.
——-
Noch eine kaum gesehene Blume aus dem Strauss der Absurditäten (Morgenson/Fleckenstein)
“the biggest document failure ever”
“documentation in this $45 trillion market appears to be somewhat optional”
“For those who’d like to understand another facet of the complicated puzzle that they might not already be familiar with, please see a Feb. 17 New York Times story titled “Arcane Market Is Next to Face Big Credit Test.”
Gretchen Morgenson did herself proud in this comprehensive examination of some potential horrors that may befall the credit-default-swap market. She noted that documentation in this $45 trillion market appears to be somewhat optional.
As recently as December, 13% of the trades there were unconfirmed, which means, as Morgenson wrote: “One of the parties in the resale transaction was unidentified in trade documents and remained unknown 30 days later.”
The gloom surrounding a swap with whom
That’s a problem in and of itself, but it’s compounded by the fact that these contracts are sometimes sold to others. “The original buyer may not know that a new, potentially weaker entity has taken over the obligation to pay the claim,” Morgenson wrote.
Consequently, when “investors who have purchased such swaps try to cash them in, they may have trouble tracking down who is supposed to pay their claim.”
Of course, even if investors can find the new buyer, he may not be able to pay the claim. Furthermore, the credit-default-swap market may be affected if the good-company/bad-company idea were to be implemented, because splitting a company into two may affect the contract itself. According to a knowledgeable friend I call the “Lord of the Dark Matter,” we may be on the verge of the biggest document failure ever. In some cases, there will be nothing on the other side.
http://articles.moneycentral.msn.com/Investing/ContrarianChronicles/ALittleMagicWontFixDebtInsurers.aspx
Der Artikel scheint keine weiteren Wellen geworffen zu haben.
Gruss
monkeydonkey
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