Zweierlei US Rezession in der FT

von weissgarnix am 11. Februar 2008

Auch die heutigen Zeitungskommentatoren sind sich hinsichtlich der US Rezession und ihrer Ausmaße überhaupt nicht einig, noch nicht einmal innerhalb ein- und derselben Zeitung, wenn auch unterschiedlichen, sprachlichen Ausgaben:

In der Financial Times Deutschland schreibt so die Kolumne “Das Kapital” unter der Überschrift “Die Geisterdebatte um die US Rezession”:

“Eine Diskussion wie diese muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, nachdem die Notenbank binnen gut vier Monaten den Leitzins um 2,25 Prozentpunkte gesenkt hat, der Staat ein großes Fiskalprogramm aufgelegt hat, Quasistaatsbanken plötzlich Hypotheken in dreistelliger Milliardenhöhe aufgekauft haben, der Präsident die Rettung “unschuldiger” Baukreditnehmer versprochen hat und der Finanzminister Superfonds sowie die Stützung von Kreditversicherern zu initiieren versucht hat. [...]

Zeitgleich schreibt der bekannte Kommentator Wofgang Münchau in der englischen Financial Times unter dem Titel “A repeat of the great depression is unlikely” [Anm.: Übersetzung aus dem Englischen von mir]:

“[...] Besteht also ein Risiko, dass die US eine Japan-ähnliche “Verlorene Dekade” erleiden ? Natürlich, aber aus anderen Gründen. Das US Wachstum wird sich abschwächen, weil die Sparrate steigen muß. Für ein Land mit nicht aufrechtzuerhaltendem Handelsbilanzdefizit ist das ein notwendiger und unvermeidlicher Anpassungsprozess, und kein Katastrophen-Event, gegen den man eine “Versicherung” suchen sollte. Aus struktureller Sicht ist die US-Wirtschaft nicht mit der japanischen in den 90ern vergleichbar, und auch nicht mit der, der USA in den 30er-Jahren. Außerdem ist das US Produktivitätswachstum deutlich höher als das japanische, und teilweise auch das europäische.[...]”

Herr Münchau, die Achillesferse seines Kommentars wohl erblickend, fügt aber einschränkend hinzu:

“Das vorausgeschickt, ist natürlich doch 1 Szenario denkbar, das eine 1930er-Deflation hervorrufen könnte, nämlich ein großangelegter “Financial Meltdown”. Damit meine ich eine Situation, in der der Finanzsektor aufhören würde, eine seiner wichtigsten Aufgaben zu erfüllen: die, der Liquiditätsbereitstellung. Und sicher, niedrigere Zinsen könnten ein solches Szenario weder abwenden, noch auch nur irgendeine Erleichterung in eine Wirtschaft bringen, deren physischer Zugang zu Kredit abgeschnitten ist.[...]“, und dann schreibt er noch einige Sätze, warum es in Europa erst recht nicht zur Deflation kommt, obwohl er gerade eben glasklar erkannt hat, was eventuell ansteht ….

Tja, auch die “Financial Times” hat also die endgültige Antwort leider nicht parat, bleiben also weiterhin spannende Zeiten …

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